Selbstgemachte Marillenmarmelade kenne ich von klein auf. Schon bei meiner Urgroßmutter, Großmutter und Mutter durfte ich im Marmeladetopf rühren und den herrlichen Duft reifer Marillen atmen. Vor etwa zwanzig Jahren habe ich begonnen, meine eigene Marillenmarmelade zu produzieren.
Dass ich dafür nur Wachauer Marillen verwende, versteht sich von selbst. Ich erinnere mich, dass ich einmal zu spät dran war und keine mehr bekommen habe. Französische Marillen waren ein schlechter Kompromiss.
Aus diesem Fehler gelernt, habe ich jetzt „meinen“ Marillenbauer im Spitzer Graben. Es handelt sich dabei um einen Betrieb, der zum Verein Wachauer Marille gehört. Dieser wurde 1995 gegründet, um die alten, schmackhaften Sorten zu schützen.
Jahr für Jahr bestelle ich telefonisch und warte auf den günstigsten Abholtermin, den das Wetter bestimmt. Seit fünf Jahren begleitet mich meine Nichte Hanna am Tag X in die Wachau und dann ist alles Marille. Sind die Marillen verladen, gibt es zur Stärkung Marillenknödel. Wir kehren dazu entweder ein oder legen selbst Hand an. Nach dem Knödelgenuss geht es an die Arbeit. Im Schnitt verarbeiten wir 25 bis 30 Kilogramm Marillen. Wir sind damit einen Tag lang beschäftigt.

Fotos: Hanna Kulvicki.
Uns so machen wir unsere Marillenmarmelade
Auf drei Teile Frucht kommt ein Teil Gelierzucker, d.h: ½ kg Zucker und 1 ½ kg Marillen ohne Kern! Die geviertelten Marillen werden mit dem Zucker vermischt. Dann ziehen sie etwa eine Stunde. Anschließend erwärmen wir den Topf unter ständigem Rühren. Das Rühren führt dazu, dass nichts anbrennt und die Marillenstücke weiter zerfallen. Fängt die Masse zu blubbern an, dann schauen wir erstmals auf die Uhr. Jetzt einen ordentlichen Schuss 80%igen Rum unterrühren und noch fünf Minuten kochen lassen. Anschließend wird die Marmelade in die Gläser gefüllt. Dafür verwenden wir einen eigenen Marmeladetrichter nach dem Motto „ohne Patzen geht’s auch“.
Noch ein Tipp: Wir besitzen einen eigenen Marmeladekochtopf und einen eigenen Holzkochlöffel, der nur Marillen kennt und sonst gar nichts! Nicht nur Marillen, sondern jedes Obst ist besonders sensibel und würde fremde Geschmacksstoffe, die einem Topf oder einem Kochlöffel von Fleisch, Fisch oder Zwiebel anhaften, aufnehmen.
Unser Schoko-Marillen-Kuchen
Während die Marillen mit dem Zucker ziehen, bereiten wir Marillenhälften für den Schoko-Marillen-Kuchen vor. Je nach Größe der Marillen brauchen wir 30 oder 36 Hälften. Wir frieren einige Portionen ein. Damit gibt es diesen herrlichen Kuchen auch außerhalb der Saison.
4 Dotter, 15 dag Staubzucker, 1 Sackerl Vanillezucker und 15 dag Butter werden schaumig gerührt. Die Zutaten müssen Zimmertemperatur haben. In der Zwischenzeit 15 dag dunkle Schokolade (Suchard Velma) erweichen. Geht ideal auf einem Teller im Backrohr, welches ohnehin vorgewärmt werden muss. Schokolade und zwei Esslöffel Rum in die Ei-Butter-Zucker-Masse rühren. 4 Eiweiß zu Schnee schlagen und mit 15 dag Mehl und einen ½ Sackerl Backpulver untermengen. Den Teig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen und die Marillen reihenweise auflegen. Bei 180 Grad Celsius rund 20 Minuten backen. Wer will, bestreut den Kuchen vor dem Servieren mit Staubzucker.
Zutaten auf einen Blick
4 Eier – Dotter und Eiweiß getrennt
15 dag Staubzucker
15 dag Butter
15 dag Mehl
15 dag dunkle Schokolade erweicht
2 Esslöffel Rum
½ Backpulver
1 Vanillezucker
Das Besondere und das Schöne an diesem Tag
Wir erfreuen uns der einzigartigen Wachau.
Wir werden vom Marillenbauer herzlich empfangen.
Wir essen die frischesten Marillenknödel.
Wir backen einen köstlichen Schoko-Marillen-Kuchen und sorgen dafür, dass es ihn auch während des Jahres ab und zu gibt.
Wir produzieren Marillenmarmelade und genießen ein Jahr lang die köstlichen Aromen dieser einzigartigen Frucht.
Wir und alle, die unsere Marillenmarmelade oder den Schoko-Marillen-Kuchen schon ausprobiert haben, sind begeistert.
Buchtipp
Wachauer Marille von Waldstein – Semrad ISBN 978-3-702-1254-0
www.stocker-verlag.com
Verein Wachauer Marille
www.wachauermarille.at