Wednesday, 14. July 2010
PrimaLeben
Beitrag von
Kathrin Kränkl
21.30 Uhr, Börseplatz 1 in Wien. Ein schwarzer Fiaker biegt auf den unbeleuchteten Platz ein, lädt einen Sarg auf und entfernt sich begleitet von einer Mahler Symphonie und etwa 150 Menschen in Richtung Wipplingerstraße. Die Trauergemeinde begibt sich daraufhin in den Festsaal des k.k Post- und Telegrafenamts zum Leichenschmaus.
Sehr stilvoll, etwas gespenstisch und vor allem eigenartig, weil sich diese Szene im Juli fast jeden Abend wiederholen wird - genauso wie eine andere, ebenfalls dort, aber schon gegen 21 Uhr. Es ertönt ein Aufruf zur Abfahrt nach Palästina in einem uralten Lastwagen. Etwa 40 Menschen klettern auf die Laderampe und fahren kurz darauf eine Runde um den Häuserblock. Der Wagen erleidet auf halbem Weg eine Panne, raucht und stinkt, und so kommen die Reisenden nicht bis Palästina, sondern müssen sich durch den Hintereingang des Post- und Telegrafenamts in Sicherheit bringen.
Die Reisenden wollten natürlich gar nicht nach Palästina, sondern sind Zuschauer und zugleich Mitwirkende des interaktiven Theaterabends über das Lebens von Alma Mahler-Werfel. Ich habe dieses Stück nun schon zum dritten Mal gesehen und war wieder beeindruckt. Die Handlung mit vier Alma Mahlers spielt zeitgleich an drei bis vier Orten im Post- und Telegrafenamt. Die Zuschauer entscheiden, welchen Szenen sie folgen wollen, und so sieht jeder je nach Auswahl ein anderes Stück. Das Erlebnis ist schwer beschreibbar - am besten einfach hingehen und sich selbst ein Bild machen.
Die Karten erscheinen auf den ersten Blick mit 115 Euro teuer – es sind aber sämtliche Getränke und ein dreigängiges Menü, der besagte Leichenschmaus, inkludiert. Ich kann nur sagen – es zahlt sich aus. Schauen Sie sich dieses Spektakel an, selbst wenn Sie normalerweise kein Theaterfan sind. Das ist nämlich kein Theater, sondern bereits Kult!
Details und Karten unter www.alma-mahler.com
